Hilfe für offene Fragen

28. Januar 2010

Die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes Erster Klasse an Felicia Langer und die Laudatio von Bundespräsident Köhler für Henning Mankell hinterließen bei mir große Fragezeichen. Daher schrieb ich im letzten Jahr mehrere E-Mails und Briefe an das Bundespräsidialamt. Auf zwei eingeschriebene Briefe reagierte das Bundespräsidialamt schließlich, beantwortete jedoch nicht meine Fragen bzgl. der Ehrungen.

Auch Oberbürgermeister Boris Palmer, dem Initiator des Bundesverdienstkreuzes für Felicia Langer, hatte ich die ersten beiden Fragen gestellt. Aber auch er scheint keine Antworten auf die Fragen zu wissen.

Daher veröffentliche ich hier einen meiner Briefe und bitte den geneigten Leser, dem Bundespräsidialamt und dem Oberbürgermeister bei der Beantwortung der offenen Fragen zu helfen.

Mein Brief beginnt mit einem Bezug auf den folgenden Satz aus einem Schreiben des Bundespräsidialamts: “Die Solidarität des Bundespräsidenten mit Israel und dem jüdischen Volk ist unwandelbar.”


05.10.2009

Sehr geehrter Herr Bundespräsident Köhler,

vielen Dank für das mit September 2009 datierte Antwortschreiben eines Ihrer Mitarbeiter.

Im letzten Satz des Schreibens betonen Sie Ihre “unwandelbare” Solidarität mit Israel und dem jüdischen Volk. Daraus schließe ich, daß ich in der Mittelstufe über das Thema Antisemitismus falsch unterrichtet worden bin, denn auf Basis meiner Schulbildung ist Henning Mankell eindeutig ein Antisemit. Für diesen hat der Bundespräsident die Laudatio anläßlich der Verleihung des Friedenspreises der Stadt Osnabrück gehalten.

Ich bin schockiert, daß ich nach so vielen Jahren die mindere Qualität meiner Schulbildung erkennen muß. Ich hoffe, Sie haben eine hochwertigere Schulbildung genossen und werden sich dafür einsetzen die Qualitätsstandards bei der Unterrichtung von Antisemitismus anzuheben. Überforderte Lehrer und andere Beamte sollten auf ihren Fähigkeiten entsprechende Arbeitsstellen versetzt werden, wenn sie Antisemitismus nicht verstehen, der mittlerweile meistens in Gestalt des 99% deckungsgleichen Antizionismus daherkommt.

In meinem Schreiben vom 22.09.2009 hatte ich einige Fragen gestellt. Offenbar wurden diese Fragen übersehen, denn im Antwortschreiben kann ich keine Antworten finden. Da ich diese Fragen für immens klärungsbedürftig halte, wiederhole ich sie hier noch einmal:

1. Frage:
Sowohl in Israel als auch in Polen kam es vor mehr als 60 Jahren zu Flucht und Vertreibung. In beiden Fällen als Folge von verlorenen Angriffskriegen. Felicia Langer dämonisiert und delegitimiert Israel u.a. wegen der Flüchtlinge und Vertriebenen.
Frage: Kann eine Person mit einem Bundesverdienstkreuz Erster Klasse geehrt werden, die Polen so dämonisiert und delegitimiert, wie es Felicia Langer gegen Israel tut?

2. Frage:
Im Gegensatz zu Polen und Israel haben Pakistan, Sudan und die Türkei Völkermorde begangen.
Frage: Kann eine Person mit einem Bundesverdienstkreuz Erster Klasse geehrt werden, die Pakistan, Sudan oder die Türkei so dämonisiert und delegitimiert, wie es Felicia Langer gegen Israel tut?

3. Frage:
Felicia Langer gehörte dem Zentralkomitee der Rakach an. Genauso wie die DKP wurde auch die Rakach von der KPdSU als ihre Schwesterpartei angesehen. Zudem hat Felicia Langer den “Menschenrechtspreis” der “Gesellschaft zum Schutz von Bürgerrecht und Menschenwürde” angenommen. Diese Organisation wurde unter anderem von früheren Stasi-Mitarbeitern gegründet.
Frage: Können neben einer Ex-Funktionärin der Rakach auch frühere Funktionsträger der KPdSU, DKP, SED und Stasi mit einem Bundesverdienstkreuz Erster Klasse geehrt werden?

4. Frage:
Die Nürnberger Nachrichten meldeten am 17.09.2009, daß Felicia Langer entgegen früheren Beteuerungen Israel mit dem NS-Regime verglichen hat.
http://www.nn-online.de/artikel.asp?art=1087729&kat=3&man=3
Frage: Da Felicia Langer mit dem Bundesverdienstkreuz Erster Klasse geehrt wurde, frage ich nach, welche Gemeinsamkeiten das Bundespräsidialamt zwischen Israel und dem NS-Regime sieht?

Die Ehrung einer Person mit einem Lebenswerk wie Felicia Langer irritiert mich sehr. Deswegen bin ich sehr gespannt auf Ihre Antworten auf meine Fragen, und hoffe daß die Antworten Klarheiten schaffen, insbesondere über die moralischen Standards des Bundespräsidenten und deren Geltungsbereich.

Mit freundlichen Grüßen

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9 Antworten to “Hilfe für offene Fragen”

  1. Bagalut said

    brilliant und spät

    • Ja, das Thema zieht sich für mich hin, da ich immer wieder nachgehakt habe, aber keine Antworten erhalten habe. Vor ein paar Tagen erklärte das Bundespräsidialamt in einem freundlichen Brief die Konversation für beendet, ohne die Fragen zu klären. Daher hoffe ich nun, daß Leser dieses Blogs Antworten wissen.

  2. schneeschaufler said

    die ersten beiden fragen bestätigen, dass für israel andere standards gelten als für alle anderen staaten. israel wird damit in die gleiche rolle unter den staaten gedrängt, die früher den juden unter den völkern zugewiesen wurde. diese rollenzuweisung ist unter dem namen „antizionismus“ voll angesagt, jedenfalls im tübinger rathaus und im umfeld des bundespräsidenten.

  3. MaximoLider said

    Fidel Castro wurde ebenfalls mit dem „Menschenrechtspreis“ der DDR-Kommunisten ausgezeichnet.
    http://www.gbmev.de/ubrns/917382ubrns.htm

  4. zenobiana said

    Solche kritischen Fragen würde die Mainstream Presse dem politischen Establishment niemals stellen. Ich erinnere mich an ein Interview mit Boris Palmer auf Spiegel Online. Der handzahme Fragesteller gab lediglich Stichworte vor, zu denen Boris Palmer sich dann profilieren konnte. Gut, daß diesen Hofberichterstattern nun die kritische Gegenöffentlichkeit der Blogs gegenübersteht.

  5. ZevaAdom said

    5. Frage:
    Felicia Langer setzt sich für Menschen ein, deren Vorfahren
    im Zuge eines verlorenen Angriffskrieges flohen oder
    vertrieben wurden. Sie haben die Niederlage in ihrem
    Angriffskrieg niemals akzeptiert und lassen deswegen keine
    Gelegenheit verstreichen Gewalttaten zu begehen. Die Waffen
    und die Ausbildung von Kämpfern besorgen Iran und
    Syrien.
    Erika Steinbach setzt sich ebenfalls für Menschen ein,
    deren Vorfahren im Zuge eines verlorenen Angriffskrieges
    flohen oder vertrieben wurden. Sie haben sich mit der
    Niederlage in ihrem Angriffskrieg abgefunden und in ihrer
    neuen Heimat voll integriert.
    Frage:
    Könnte Erika Steinbach mit einem Bundesverdienstkreuz
    geehrt werden, obwohl sich keiner ihrer Schützlinge in
    Bussen und Restaurants in die Luft sprengt?

    • Treffend, wie Sie die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Palästinensern und Heimatvertriebenen darlegen. Von der Unterstellung in Ihrem letzten Satz distanziere ich mich jedoch in aller Deutlichkeit.

      Ich will nicht glauben, daß Felicia Langer für ihren Hass geehrt wurde.
      Ich will glauben, daß die Verantwortlichen das Potential für eine Anhebung der Qualität ihrer täglichen Arbeit erkennen und nutzen werden.
      Ich glaube allerdings nicht, daß wir jemals Selbstkritik hören werden.

  6. Siebenschläfer said

    Am besten eine Dicke Bombe auf Israel drauf und gut ist…Scheiss Verbrecher Staat…

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